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Nierentransplantationen bei Kindern und Jugendlichen

Jedes Jahr erfolgen am UK Essen ca. 15-20 Nierentransplantationen bei Kindern und Jugendlichen. Insgesamt haben bisher mehr als 750 Kinder am Westdeutschen Zentrum für Organtransplantation von dieser Therapieoption profitiert und konnten somit eine weitestgehend normale Entwicklung und Kindheit erleben.

Im Falle eines Nierenversagens kann eine Dialyse (Hämodialyse „Blutwäsche“ oder Bauchfelldialyse) die ausgefallenen Funktionen der Niere teilweise ersetzen. Langfristig gesehen ist aber die Transplantation der Niere die Therapie der Wahl, gerade im Kindesalter: Sie ermöglicht ein hinsichtlich Dauer und Lebensqualität annähernd „normales“ Leben.

Eine Besonderheit in Essen ist die langjährige Erfahrung in der Nieren-Lebendspende. Hierbei spendet ein Elternteil oder ein anderer Angehöriger nach umfassender Prüfung und Freigabe durch verschiedene Instanzen eine Niere für das eigene Kind. Damit ist es in Einzelfällen möglich, eine Transplantation teilweise ohne vorherige Dialyse durchzuführen, die Wartezeit deutlich zu verkürzen und dem Mangel an Spender-Organen entgegenzuwirken.

Indikation

Die Ursachen für ein Nierenversagen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter sind vielfältig: Bei etwa zwei Drittel der jungen Patienten liegen angeborene Erkrankungen vor, insbesondere Fehlbildungen der Nieren und ableitenden Harnwege. Ein weiteres Drittel leidet an einer erworbenen Nierenerkrankung.

Ansprechpartner

PD Dr. med. Anja Büscher
E-Mail: anja.buescher@uk-essen.de

Dr. med. Thurid Ahlenstiel-Grunow
E-Mail: thurid.ahlenstiel-grunow@uk-essen.de


Notfall nach Nierentransplantation

Warnsignale für eine Abstoßungsreaktion können neben einer Erhöhung von Kreatinin und Harnstoff im Blut auch

  • eine erhöhte Temperatur (> 37,5 °C) unklarer Ursache,
  • ein Rückgang der Urinausscheidung,
  • Flüssigkeitseinlagerungen im Körper (Ödeme),
  • Schmerzen im Bereich der transplantierten Niere oder ein erhöhter Blutdruck sein.

Die Patienten sollten dann sofort das Transplantationszentrum kontaktieren.

Warteliste

Vor der Anmeldung auf die Warteliste erfolgen umfangreiche Untersuchungen der Patienten (check-up). Diese werden durch die betreuenden Nephrolog*innen am KfH Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche am Universitätsklinikum Essen initiiert bzw. durchgeführt. Diese dienen u.a. der Abschätzung des allgemeinen Operationsrisikos bzw. der Identifizierung von bislang unentdeckten Infektionsherden, welche vor der Transplantation und dem Start der Immunsuppression ggf. saniert werden müssen.  Außerdem erfolgen mehrere Aufklärungsgespräche mit ärztlichen Kolleg*innen der Kindernephrologie und der Transplantationschirurgie, um unsere Patienten umfassend über die anstehende Operation zu informieren bzw. sie darauf vorzubereiten.

Vor der Aufnahme auf die Warteliste findet nach den Richtlinien der Bundesärztekammer eine interdisziplinäre Konferenz statt. In dieser Konferenz entscheiden mindestens drei Ärzte, wovon einer unabhängig vom Transplantationsprogramm sein muss, ob alle Bedingungen für die geplante Wartelistenaufnahme erfüllt sind.

Regelmäßig werden alle Transplantationsprogramme von der Prüf- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer stichprobenhaft überprüft.

Nach Aufnahme auf die Warteliste für Nierentransplantation sollten die Erziehungsberechtigten rund um die Uhr und an allen Wochentagen für den Fall eines Organangebotes erreichbar sein. Oft ist es hilfreich, auch Telefonnummern von nahen Angehörigen oder auch Nachbarn zu hinterlegen, für den Fall, dass das eigene Telefon ausfällt. Auch während der Wartezeit stehen wir über die Kolleg*innen der Kindernephrologie mit den Patienten und ihren Familien in Kontakt. Dort erfolgen weiterhin regelmäßige Kontrollen des Gesundheitszustandes unserer Patienten. Falls ein Kind z.B. akut erkrankt (und somit zu diesem Zeitpunkt nicht transplantiert werden kann) oder es z.B. aufgrund einer Urlaubsreise das Transplantationszentrum nicht innerhalb der vorgegebenen Zeit (ca. 4 Stunden) erreichen kann, muss dies dem Transplantationszentrum sofort mitgeteilt werden.

Operationsverfahren

Während im Erwachsenenalter die Spenderniere in der Regel im Becken an die Beinarterie und -vene angeschlossen wird, sind diese Gefäße bei Kleinkindern oftmals zu klein, so dass ggf. auf die Aorta (Hauptschlagader) und die große untere Hohlvene zurückgegriffen werden muss. Die Spenderniere kommt jedoch auch hier im Becken zu liegen. Der Vorteil der Transplantation ins Becken ist die gute Zugänglichkeit zu den Blutgefäßen und der Harnblase für den Anschluss (sog. Anastomosen) der Transplantatniere sowie ein gewisser Schutz für dieselbe. Zudem ist das Transplantat so auch leichter zu untersuchen (Abtasten durch den Arzt oder Patienten, Sonographie und eventuell Punktion zur Entnahme von Gewebeproben bei Abstoßungsreaktionen). Die Eigennieren werden bei der Transplantation in aller Regel nicht entfernt.

Komplikationen

Postoperative Komplikationen wie z.B. Blutungen oder Urinleckagen treten nur selten auf (in bis zu 10% der Fälle) und führen ggf. zu einer 2. Operation, um diese Komplikation zu beseitigen. Ebenso besteht ein geringes Risiko, dass die transplantierte Niere nicht sofort arbeitet und (zumeist) vorübergehend auch nach Transplantation eine Dialyse erfolgen muss. 

Abstoßungsreaktionen können jederzeit nach einer Nierentransplantation auftreten und lassen sich in der Regel gut behandeln. Wichtig ist in jedem Fall die Früherkennung. Allerdings können Abstoßungsreaktionen auch für den Patienten unbemerkt, d.h. ohne klinische Symptome, verlaufen, so dass regelmäßige Blut- und Urinuntersuchungen unabdingbar sind. Bei Verdacht auf eine Abstoßung ist ggf. auch eine Punktion (Biopsie) des Transplantates angezeigt. 

Immunsuppression

Nach der Transplantation ist eine Unterdrückung des Immunsystems durch Medikamente notwendig, damit das fremde Organ nicht abgestoßen wird. Diese sogenannte „Immunsuppression“ richtet sich aber nicht nur gegen das fremde Organ, sondern setzt auch die Abwehrkräfte des Körpers gegen Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze herab, so dass – gerade in den ersten Monaten nach Transplantation – eine erhöhte Infektanfälligkeit bestehen kann.

Die Immunsuppressiva werden dabei für jeden Patienten individuell dosiert und kombiniert, mit dem Ziel, die Belastung des Körpers wie auch das Risiko für Nebenwirkungen zu minimieren. Dazu gehören z.B. eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Tumorerkrankung, eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder der Bluthochdruck (Hypertonie).

Transplantationsambulanz

In der Transplantationsambulanz, auch Nachsorgeambulanz, werden die Kinder nach der Transplantation engmaschig betreut. Nach Abschluss der stationären Behandlung erfolgt dies in der Regel 2 mal pro Woche, im Langzeitverlauf werden unsere Patienten in 4-wöchentlichen Abständen gesehen. Neben einer körperlichen Untersuchung erfolgen Blutentnahmen, Urinuntersuchungen und in regelmäßigen Abständen auch eine Ultraschalluntersuchung der transplantierten Niere. Zusätzlich erfolgen mindestens einmal jährlich Kontrollen von Echokardiographie, EKG und 24-Stunden-Blutdruckmessung sowie – bei Bedarf- auch weitere apparative Untersuchungen.